In Oberösterreich gab es vom Mittelalter über die Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert zahlreiche Richtstätten, Hochgerichte und Hinrichtungsorte. Viele sind heute vergessen, nur wenige sind im Gelände erhalten oder durch Schautafeln dokumentiert.
Richtstätten – auch Hochgericht, Blutgerüst oder unter ähnlich düsteren Bezeichnungen bekannt – befanden sich meist an weithin sichtbaren Stellen, oft knapp außerhalb der Stadt- oder Burgfriedsgrenzen. In ihrer Nähe standen häufig ein Marterl oder eine Armesünderkapelle, wo die Delinquenten ihr letztes Gebet sprechen durften. Auch der Wasenmeister (Schinder, Abdecker) und ein Galgenhäusel waren meist in einem Radius von bis zu zwei Kilometern zu finden – daher finden auch diese Orte auf unserer Karte ihren Platz.
An den Richtstätten war das Hängen bei weitem nicht die einzige Vollstreckungsart des Todesurteils. Je nach Urteil, das der Richter nach dem Stabbrechen verkündete, wurden die Malefikanten vom Scharfrichter (Henker) gerädert, gevierteilt oder verbrannt – manchmal auch in genau dieser Reihenfolge. Nicht selten wurden sie enthauptet und die Köpfe zur Abschreckung auf Lanzen gesteckt und entlang der Straßen zur Schau gestellt.
Die sterblichen Überreste durften nicht auf einem geweihten Friedhof begraben werden, sondern wurden am Richtplatz „verlocht“. Kurioserweise versprach man sich von Leichenteilen Hingerichteter oder vom Holz des Galgens magische Kräfte, während Henker und ihre Knechte gesellschaftlich geächtet und gezwungen waren, am Rand der Siedlungen zu leben.
- LH – Lambacher Hausmappe (ca. 1723)
- JL – Josephinische Landesaufnahme (1775–1777)
- FL – Franziszeische Landesaufnahme (1809–1818)
- FK – Franziszeischer Kataster (1820–1840)
Topographie der Richtstätten
Die Lage vieler Richtstätten folgte einer klaren Ordnung: Sie befanden sich auf markanten Anhöhen, an alten Handels- oder Heereswegen und an den Grenzen der jeweiligen Gerichtsbarkeit. Ein besonders anschauliches Beispiel bietet die Schedlstraße in Wels, die alte Lambacher Straße, die weitgehend dem Verlauf der heutigen Römerstraße entspricht. Sie markierte die nördliche Grenze des Welser Burgfrieds und verknüpft gleich mehrere Richtorte wie an einer Linie:
- das Hochgericht der Stadt Wels beim westlichen Stadtausgang,
- der Galgenhügel zwischen Gaßl und Trausenegg,
- das von Christoph Weiß errichtete Auerspergische Blutgerüst,
- und den jüngsten Richtplatz, den Galgenhügel in der Flez.
Entlang dieser Straße lässt sich exemplarisch zeigen, wie sich über Jahrhunderte hinweg die Räume der Strafgewalt nicht zufällig, sondern bewusst entlang markanter Linien im Landschaftsbild konzentrierten.
Zitierempfehlung
Wolfram Sterrer, Richtstätten Oberösterreichs. Interaktive Online-Karte historischer Richtstätten, Hochgerichte und Hinrichtungsorte in Oberösterreich vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, laufend aktualisiert.
URL: https://wolfundrabe.github.io/richtstaetten-ooe/ (Zugriff: TT.MM.JJJJ).